Nach einem ungewöhnlich langen und kalten Winter stieß eine Veranstaltung des Bürgervereins Siedlungen Süd, unterstützt von den Grünen Eisbären e. V. und dem Referat für Umwelt der Stadt Nürnberg, auf lebhaftes Interesse.
Leser*innen, die überlegen, wie zukünftig geheizt werden soll, wollen wir hier einige grundlegende Informationen darlegen.
Zunächst sollte der kommunale Wärmeplan der Stadt Nürnberg zu Rate gezogen werden. Der Wärmeplan zeigt, ob für Ihre Straße die Erweiterung der Fernwärme ansteht, ob vielleicht ein lokales Wärmenetz geplant ist oder ob eine individuelle Heizung (evtl. auch gemeinsam mit den Nachbar*innen) zu planen ist. Den Wärmeplan der Stadt findet man im Internet unter folgendem Link: https://www.nuernberg.de/internet/referat6/energie.html

Wenn klar ist, dass in Ihrer Straße kein Fernwärme- oder lokales Wärmenetz geplant ist und Ihre bestehende Heizung am Ende der zu erwartenden Nutzungsdauer angekommen ist, sind Sie selbst am Zug, eine neue Heizung zu planen.
In den meisten Fällen ist die Wärmepumpe das Mittel der Wahl
Die Wärmepumpentechnik bietet gegenüber Gas- oder Ölheizungen viele Vorteile: keine Abhängigkeit von importierten Brennstoffen, günstigere Verbrauchskosten im Vergleich zu Gas oder Öl und natürlich die Einsparung von CO₂.
Das Umweltreferat der Stadt Nürnberg bietet eine kostenlose Erstberatung an. Nähere Informationen finden Sie hier:
https://www.nuernberg.de/internet/klima/beratungsangebote.html
Die Grünen in Nürnberg haben einen Arbeitskreis, der sich mit Energie und Klima befasst. Wer also vertieftes Interesse hat, ist dort herzlich willkommen:
https://gruene-nbg.de/partei/arbeitskreise/ak-klimaschutz-energie/
Was sollte man wissen?
Wenn Sie die Erstberatung der Stadt nutzen wollen oder mit Energieberater*innen und Installateurbetrieben sprechen, sollten Sie ein wenig vorbereitet sein.
Folgende Daten helfen enorm:
- Wie viel Fläche von Haus oder Wohnung wird beheizt?
- Wie viel Gas oder Öl wurde bisher jährlich verbraucht?
- Wie viele Heizkörper gibt es? Größe (Länge, Breite, Tiefe) jedes Heizkörpers?
Damit sind Sie gut gerüstet für ein erstes Gespräch. Über den Vergleich der verbrauchten Energie pro Quadratmeter beheizter Fläche können Sie außerdem einen Eindruck gewinnen, wie wirtschaftlich Sie aktuell heizen. Vergleichen Sie Ihr Objekt mit Nachbar*innen oder Verwandten – Sie werden eventuell verblüffende Unterschiede feststellen.
Warum Wärmepumpe? Was ist der Trick?
Der Trick ist, dass die Wärmepumpe der Umgebung (Luft) Wärme entzieht und auf ein Temperaturniveau bringt, das zur Raumheizung und auch zur Brauchwassererwärmung genutzt werden kann. Jede*r kennt den Effekt von der Luftpumpe: Sie wird heiß durch die Druckerhöhung in der Pumpe. Bei der Wärmepumpe heißt die Pumpe „Kompressor“. Verdichtet wird jedoch nicht die Luft, sondern ein Kühlmittel, das bei der Verdichtung gasförmig wird und, nachdem die Wärme abgegeben wurde, wieder flüssig wird.
Jeder Kühlschrank nutzt den gleichen Effekt: Die Wärme wird dem Kühlschrankinneren entzogen und an die Raumluft abgegeben. Als Kühlmittel nutzen Wärmepumpen hauptsächlich Propan, wie man es vom Gasgrill oder vom Camping kennt. Die Menge an Propan ist dabei sehr gering. Trotzdem müssen die Geräte wegen Brandgefahr in der Regel außerhalb von Gebäuden betrieben werden.
Die Geräte verbrauchen hauptsächlich elektrische Energie für den Betrieb des Kompressors und der Ventilatoren. Für die Wirtschaftlichkeit ist entscheidend, wie viel elektrische Energie gebraucht wird, um der Umgebung Wärme zu entziehen und nutzbar zu machen. Da das Verhältnis der erzeugten Wärme zur aufgewendeten elektrischen Energie über das Jahr hinweg – abhängig von Außentemperatur, Warmwasserbereitung und Vorlauftemperatur für die Heizung – schwankt, wird mit der Jahresarbeitszahl (JAZ) die Effektivität beschrieben.
Die Jahresarbeitszahl ist die in einem Jahr erzeugte Wärmeenergie geteilt durch die dafür aufgewendete elektrische Energie. Jahresarbeitszahlen (JAZ) von über 3 werden mittlerweile auch in schlecht oder gar nicht gedämmten Altbauten erreicht. Abhängig vom Gebäudezustand und Gerätetyp sind deutlich höhere JAZ möglich.
Welche Voraussetzungen braucht das Gebäude?
Unabhängig von der Heizart spart eine Dämmung oder der Einbau neuer Fenster oder einer neuen Haustür Energie und sollte immer eine Überlegung sein.
Es macht Sinn, sich den aktuellen Energieverbrauch (siehe oben) in kWh/m² noch einmal anzusehen. Bei Gas teilt Ihnen der Versorger auf der Rechnung die verbrauchten kWh mit, bei Öl kann man mit dem Faktor 10 rechnen: 1 Liter Öl entspricht etwa 10 kWh Energie.
Liegt Ihr Verbrauch unterhalb von 130 kWh/m² pro Jahr, sollte es keine Probleme geben. Ist der Verbrauch höher, sollten Sie eventuell mit Unterstützung von Fachleuten auf die Suche nach Schwachstellen gehen und dort ansetzen, wo mit dem geringsten Aufwand der größte Effekt erzielt werden kann.
Und jetzt?
Klar, jetzt geht es um die Kosten der Investition und die zu erwartenden Betriebskosten (Strom) für eine Wärmepumpe. Gerne werden wir auch in Zukunft ähnliche Fachartikel veröffentlichen und zu Informationsveranstaltungen in den einzelnen Stadtteilen einladen.
Außerdem haben die Grünen in Nürnberg einen Arbeitskreis, der sich mit Energie und Klima befasst. Wer also vertieftes Interesse hat, ist dort herzlich willkommen.
Hans Joachim Schmidt
Bündnis 90 / Die Grünen Nürnberg, OV Nürnberg-Süd