Der Nürnberger Stadtrat hat das U-Bahnbauamt mit der weiteren Planung der Verlängerung der U2 von der Hohen Marter über Eibach bis Reichelsdorf beauftragt. Nun folgen vertiefte Planungen, die Beantragung der Liniengenehmigung nach dem Personenbeförderungsgesetz sowie der Förderantrag beim Bund.
Für Alexander Kahl, gebürtiger Reichelsdorfer und Sprecher für öffentlichen Verkehr der Grünen Stadtratsfraktion, ist das ein notwendiger Schritt – „aber keiner ohne Bedingungen“.

Zustimmung und Kritik
Grundlage ist das positive Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,14 für die Gesamtstrecke bis Reichelsdorf. Nur diese Variante ist förderfähig; eine Verlängerung allein bis Eibach bliebe mit 0,91 unter der Schwelle.
„Wenn wir die Chance auf Bundesförderung haben, müssen wir sie nutzen“, sagt Kahl. „Gerade jetzt, wo das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz angepasst wird.“
Strategisch sei die U-Bahn das Rückgrat des Nürnberger ÖPNV: schnell, leistungsfähig und ein wichtiger Beitrag zur Entlastung vom Autoverkehr.
Die Zustimmung ist jedoch ausdrücklich keine unkritische. Die Investitionskosten liegen bei deutlich über 300 Millionen Euro. „In Zeiten knapper Kassen müssen wir priorisieren“, so Kahl. Projekte wie die Altstadtquerung mit der Straßenbahn erzielten ein deutlich besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis und müssten daher zuerst umgesetzt werden.
Hinzu kommt der enorme Sanierungsbedarf im Bestandsnetz: Ab Mitte der 2030er Jahre steht der Austausch der Leit- und Sicherungstechnik an, Kostenpunkt 350 bis 500 Millionen Euro. Auch Tunnel und Bahnhöfe müssen ertüchtigt werden. „Für uns Grüne gilt: Bestand vor Neubau. Ein neues Projekt hilft nichts, wenn das bestehende Netz nicht mehr zuverlässig funktioniert.“
Offene Fragen in Eibach und Reichelsdorf
Besonders kritisch sehen die Grünen die Erschließungswirkung in Eibach. Zu den Geschäften in Eibach Mitte zwischen der Motterstraße und dem Hopfengartenweg müssten gemäß der aktuellen Planung mindestens ein halber Kilometer ab dem nächsten U-Bahnhof überwunden werden. Die Buslinien 61 und 62 entfielen mit der U-Bahn. Das würde für viele Menschen eine Verschlechterung und für den Einzelhandel eine Existenzbredrohung bedeuten.
„Die derzeitige U-Bahn-Planung ist nicht automatisch eine gute Lösung“, sagt Kahl. „Wir müssen sicherstellen, dass bestehende Strukturen gestärkt und nicht geschwächt werden.“
Auch in Reichelsdorf sehen die Grünen weitere Potenziale – insbesondere bei einer besseren Verknüpfung mit dem bestehenden S-Bahnhof. Eine kluge Anbindung auch des bestehenden Park-and-Ride-Platzes könne die Resilienz des Netzes deutlich erhöhen. Derzeit ist das Ende der U-Bahnstrecke zwischen Einsteinring und Weltenburger Straße vorgesehen.
Kein Schnellschuss
Eine Inbetriebnahme ist frühestens Mitte der 2030er Jahre realistisch. „Bevor wir schnelle Versprechen machen, sollten wir zunächst die gestrichenen Busfahrten wieder einführen“, betont Kahl.
Die Grünen wollen den Planungsprozess konstruktiv begleiten. „Wir werden unsere Kritikpunkte weiter einbringen, damit die U-Bahn ihre Vorzüge für Eibach und Reichelsdorf am Ende bestmöglich entfalten kann.“
Alexander Kahl
Stadtrat